Bilder, die kein Filter erzeugt
©Miro Kuzmanovic
Das Druckwerk Lustenau macht aus historischen Drucktechniken ein Labor der Gegenwart für Kunst, Gestaltung und Vermittlung.
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Im Druckwerk steht nicht die Vergangenheit im Mittelpunkt, sondern das, was aus ihr entstehen kann. Die klassischen Druckverfahren werden hier nicht konserviert; sie bleiben in Gebrauch – für Editionen, Vermittlungsprojekte, freie Experimente und Arbeiten, die oft digital beginnen und erst im Material ihre besondere Spannung entfalten. Farbe, Papier, Druckplatten und Handarbeit verleihen den Entwürfen Oberfläche, Tiefe und eine haptische Qualität, die kein Algorithmus simulieren kann.
Nachdem 2011 die Bestände eines ehemaligen Dornbirner Druckereimuseums nach Lustenau überführt wurden, war deren Zukunft zunächst offen. Mit der Eröffnung in der Hofsteigstraße im Jahr 2015 begann die Transformation: weg vom Bewahren einer Sammlung, hin zu einer offenen Werkstatt für Kunst, Gestaltung und Vermittlung. Pirmin Hagen, Künstler und Gründungsmitglied des Druckwerks, brachte die Idee einer professionellen, zugänglichen Druckwerkstatt aus seinem Studium in Wien und einem prägenden Jahr in schottischen Open-Access-Werkstätten mit nach Vorarlberg. Sein Anliegen: den Zugang zu Drucktechniken für Künstlerinnen, Gestaltende und Interessierte sichern. Vitor Branco, studierter Journalist, kam später über einen Siebdruckkurs ins Druckwerk und blieb als (Teilzeit-)Angestellter. Heute betreuen die beiden die Werkstatt und begleiten individuelle Projekte von der ersten Skizze bis zur fertigen Edition.
Die Philosophie des Druckwerks ist konsequent gegenwartsbezogen. „Wir trennen uns von allem, was nur musealen Wert hat. Es bleibt, womit wir wirklich arbeiten“, sagt Hagen. Analoge Drucktechniken stehen hier nicht im Gegensatz zur digitalen Gestaltung, sondern erweitern deren Möglichkeiten. Bilder, die am Bildschirm entworfen wurden, erhalten im Siebdruck, in der Lithografie oder im Tiefdruck eine andere ästhetische Qualität: Oberfläche, Widerstand, Schichtung, Materialität. Das Manuelle bringt Variationen in den Prozess und verleiht Druckwerken eine Dimension, die digital nicht erreichbar ist. Diese Qualität schätzen Galerien bei Kunsteditionen ebenso wie Bands, die ihre Merchandising-Produkte bewusst lokal und handwerklich herstellen lassen.
Ein zentraler Pfeiler ist die Vermittlung. Das Kursprogramm setzt auf unmittelbare Erfahrung: Innerhalb weniger Stunden wird aus einer Idee ein greifbares Produkt – ohne Perfektionszwang, aber mit Raum für Versuch, Farbe, Material und grafische Entscheidung. Jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr ist die Werkstatt mit Betreuung geöffnet.
„Wenn man vom Digitalen ins Analoge kommt, hat man eine Freiheit, etwas zu entwickeln, das man sonst nicht kennt.“
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