MOHI Lustenau: 30 Jahre Dienst am Nächsten

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30 Jahre MOHI, das sind drei Jahrzehnte aktives Mitgestalten von Lustenaus Sozialkultur. Für viele Menschen, die Hilfe im Alltag brauchen, ist der Mobile Hilfsdienst ein wahrer Segen. Seit 2014 leitet Sigi Hämmerle das MOHI-Team und schätzt sich glücklich, diesen unentbehrlichen Dienst an der Gesellschaft mitgestalten zu dürfen.

Was wäre Lustenau ohne den Mobilen Hilfsdienst?

Ganz ehrlich? Wenn in Vorarlberg der MOHI zusammenbricht, bricht alles zusammen. Wenn wir nicht wären, müssten viele unserer Klienten ins Pflegeheim. Die Pflegeheime sind aber jetzt schon überlastet. Insofern agiert der MOHI im Sinne des Wortes systemerhaltend und zudem mit sehr viel Mitmenschlichkeit. Leider ist es eine Wirklichkeit, dass zunehmend Vereinsamung stattfindet, manchmal selbst dort, wo Kinder noch „dazuschauen“. Denn meist haben sie eigene Familien und inzwischen arbeiten ja oft beide Elternteile, sodass weniger Zeit für die Betreuung der Familienangehörigen bleibt.

Für ein selbstbestimmtes Leben daheim zu sorgen und gleichzeitig die Angehörigen zu entlasten, darum geht es beim MOHI. Was fällt dabei alles unter euren Aufgabenbereich?

Einerseits die Betreuung – Spazierengehen, gemeinsames Einkaufen, Spielen oder einfach nur Dasein – und andrerseits die Unterstützung in der täglichen Hausarbeit. Wir definieren auch klar, was nicht zu alltäglicher Hausarbeit dazugehört. Pflegerische Tätigkeiten sind Aufgabe des Krankenpflegevereins und unsere Servicestelle für Betreuung und Pflege stellt fest, was es braucht, und koordiniert die Dienste entsprechend. Diese drei Stellen – MOHI, Krankenpflegeverein und Servicestelle – arbeiten großartig zusammen, das schätze ich sehr.

Wie habt ihr Corona erlebt, was hat sich verändert?

Wir hatten Einsätze bei Menschen, zu denen sonst niemand mehr kam. Viele unserer Klienten konnten sich die plötzliche Einsamkeit nicht erklären. Für uns bedeutete die Coronazeit eine riesige Belastung, aber wir sind täglich an den Herausforderungen gewachsen. Die vielen Krisensituationen haben uns im Grunde auch gezeigt, was wir in der Lage sind zu leisten. Das hat uns gestärkt. Auch in der Wahrnehmung im Außen.

Vor einiger Zeit habt ihr das Demenzcafé gestartet. Eine Erfolgsgeschichte, wie man hört.

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So ist es. Die Sehnsucht nach Beisammensein ist seit der Pandemie größer denn je. Dabei fängt unsere Tagesbetreuung viel auf, indem sie mit großer Empathie und Umsicht den Gästen ein wohltuendes Umfeld bietet. Und als Erweiterung unseres Portfolios ist das Demenzcafé entstanden, mit dem wir genau den Nerv der Zeit getroffen haben. Zudem bieten wir seit einigen Jahren OTAGO, ein Sturzprophylaxe-Programm, und den sogenannten Betreuten Mittagstisch an: Einmal im Monat holen wir die Leute zu Hause ab und kehren in einer Wirtschaft zu – alles im Ehrenamt.

Das lässt ein starkes Team im Hintergrund vermuten.

Ja, das Team ist mir heilig. Unsere Mitarbeiterinnen machen einen genialen Job, der weit über das hinausgeht, was normal ist.

Wie schaut denn aktuell eure Personalsituation aus?

Wir suchen ständig nach Mitarbeiterinnen – und im Übrigen auch nach Mitarbeitern – und sind permanent bemüht, fixe Dienstverhältnisse und Ausbildungsprogramm zu bieten. Jede und jeder kann sich die Arbeitszeit relativ frei selbst einteilen, das ist unser großer Vorteil. Frauen mit kleinen Kindern nützen die Vormittage, andere stehen zwei, drei Tage zur Verfügung, manche arbeiten Vollzeit.

Wenn da Hemmungen sind, den MOHI anzurufen, wenn da Scham ist, um Hilfe zu bitten, wie lässt sich dem entgegenwirken?

Indem wir das niederschwellige Angebot setzen, den MOHI erstmal einfach für drei bis vier Wochen auszuprobieren. Unsere Erfahrung zeigt: Die meisten spüren, wie hilfreich unsere Unterstützung ist. Man muss sich schon bewusst sein, in dieser Entscheidung steckt eine große Mut- und vor allem Vertrauensfrage. Die betreuten Menschen lassen uns mitten in ihr Leben hinein, bis hinein in ihre Privatsphäre. Ich verstehe schon, wenn da am Anfang Skepsis ist. Umso schöner, wenn wir uns das Vertrauen erarbeitet haben. Und man darf nicht vergessen: Schlussendlich dreht es sich bei uns nie um den Klienten allein, da ist immer eine Familie im Hintergrund, die vielleicht die Situation mit den Eltern gerade als überfordernd wahrnimmt. Auch das gilt es von uns aufzufangen und mitzugestalten.

Mobiler Hilfsdienst & Tagesbetreuung Lustenau

Für ein selbstbestimmtes Leben daheim und zur Entlastung der Angehörigen begleitet der Mobile Hilfsdienst Menschen, die altersbedingt, aufgrund einer Erkrankung oder körperlichen bzw. psychischen Beeinträchtigung Hilfe im Alltag brauchen. Die Aufgabenpalette für MOHI-Mitarbeitende reicht von Einkäufen und Fahrdiensten über alltägliche hauswirtschaftliche Hilfen bis hin zu all jenen gemeinsamen Aktivitäten, die die Lebensqualität erhöhen und der Vereinsamung entgegenwirken. Auch Tagesbetreuung im Schützengarten, regelmäßige Treffen im Demenzcafé, gemeinsame Restaurantbesuche und OTAGO-Trainings zur Sturzprävention werden angeboten.

Fakten und Zahlen, Stand heute (Ende April): 1.157.000 geleistete Stunden, gut 300 Klient:innen, 110 aktive Helfer:innen
Weitere Infos: www.sozialdienste. lustenau.at, T 05577-84311-6600 oder siegfried.haemmerle@lustenau.at