Augenblick verweile - Elisabeth Esterer-Vogel und Werner König
©Marcel Hagen
In unserer Serie porträtieren wir Menschen an ihren Lustenauer Lieblingsplätzen und fragen sie, was sie sonst noch so „fürs Leben gerne tun“.
„Ich war ein Umweltschützerkind,“ erzählt Elisabeth Esterer-Vogel. „Wenn meine Mama gesagt hat, die Menschen sind das Wichtigste, habe ich gesagt, ohne Natur gäb’s uns gar nicht.“ Kurze Pause, Nachsatz: „Und das denk‘ ich immer noch.“ Die Natur, das Zeichnen und Gestalten sowie das Musizieren begleiten Elisabeth, seit sie denken kann. Letzteres lag zwar einige Jahre brach, doch nun habe es sie wieder „gepackt“, sagt sie. Angesteckt von ihren drei Jungs, die alle an der Musikschule sind, lernt sie seit kurzem Kontrabass. Beruflich hingegen hat sich Elisabeth von ihrer Naturverbundenheit und ihrer Freude am Zeichnen und Entwerfen leiten lassen. Als Landschaftsarchitektin widmet sie sich der Gestaltung von Naturräumen, seit mehreren Jahren bei „Frau Sturn“ in Weiler, einem Ingenieurbüro für Landschaftsplanung und -architektur. Zu Hause hingegen tobt sich die gebürtige Weinviertlerin auf ihren 1000 Quadratmetern unter freiem Himmel aus. Nach dem Permakultur-Prinzip baut sie hier Obst, Gemüse und Kräuter an. Zudem initiierte sie 2009 den Begegnungs- und Gemeinschaftsgarten „Permatop“ am Pfarrweg. Dieser wurde zwar letztes Jahr aufgelöst, doch als einer der ersten Gemeinschaftsgarten in Vorarlberg habe er viel Bewusstsein geschaffen für regionale, nachhaltige Lebensmittelproduktion, ist sich Elisabeth sicher. „Und er hat weitere solidarische Bewegungen ins Rollen gebracht.“
Ihr Garten zu Hause war ursprünglich als Selbstversorger-Projekt geplant. Anfangs sei sie es sehr idealistisch angegangen, so Elisabeth schmunzelnd. „Viel Arbeit, wenig Ertrag. Mit allen Hühnern und Enten und Maulwurfsgrillen, die hier mitessen wollen, blieb für uns nicht allzu viel übrig.“ Zwischenzeitlich hat sie ein riesiges Hochbeet im Zentrum des Gartens angelegt, das funktioniere besser. „Kleine Flächen intensiv zu bewirtschaften, ist ja auch ein Prinzip der Permakultur“, so die Wahl-Lustenauerin, die inzwischen ausgebildete Permakultur-Designerin ist. Gepflanzt wird, was entweder gleich aufgegessen oder ohne großen Aufwand haltbar gemacht werden kann. Elisabeth: „Beeren und Obst, Spitzöla und Höckerli werden eingefroren, Bohnen und Knoblauch getrocknet, Wurzelgemüse kommt in die Erdmiete.“ Tipp der Expertin: Eine alte Waschmaschinentrommel im Garten eingraben, mit dem Bullauge verschließen, ausgemusterte Kissenbezüge mit Laub obendrauf: „Damit hält sich das Gemüse bis ins Frühjahr!“
Bei allem Ernteglück warnt Elisabeth vor falschen Hoffnungen: „So ein Permakulturgarten ist kein Nichtstungarten.“ Wer sich davon überzeugen möchte, kann sich gerne für ein Praktikum bei ihr anmelden, siehe auch www.gartenwirkerei.at.
Lieblingsplatz: Am Rheinufer - „Mich, die ich immer schon an einem großen Fluss leben wollte, fasziniert der Rhein. Insbesondere die Uferlandschaft mit dem Sand, den Tümpeln und den vielen Vögeln finde ich schön.“
Sportler, Unternehmer, Vereinsobmann. Feinschmecker, Familienmensch, Naturliebhaber.
©Marcel Hagen
Der in Lustenau geborene und aufgewachsene Werner König vereint viele Leidenschaften in sich. Seinen Werdegang auf einer Seite zu fassen, gleicht dem Versuch, ein Kilogramm Spaghetti in einer kleinen Kasserole zu kochen. Wir probieren’s trotzdem: In jungen Jahren schaffte er es als Sportkegler in den Kader der österreichischen Juniorenauswahl, parallel dazu sportelte er im Handballverein, im Schwimmclub, in einer Hobby-Fußballmannschaft und im Eishockey. Beruflich trat er zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm die Stickerei. Bereits in den frühen 1980er-Jahren begann er, sich intensiv mit der Weinkultur zu beschäftigen. Über ein Jahrzehnt hinweg gab Werner sein Wissen dazu an der Volkshochschule weiter. Fast zeitgleich entdeckte er seine Liebe für die piemontesische Küche und erkannte das Vermarktungspotenzial italienischer Qualitätsprodukte in unseren Breitengraden. Er besuchte regelmäßig lokale Produzenten, lernte viel über deren Anbaukonzepte, über Slow Food und Qualitätsverständnis und startete mit einer Art „Garagenverkauf “ in seiner Stickerei. Ein Testlauf, bevor er dann 1997 einer der ersten war, der mit der Gründung von „Buongustaio“ italienische Feinkost im großen Stil nach Vorarlberg brachte. Die Stickerei, die ihn, wie er sagt, sowieso nicht bis zur Rente gebracht hätte, hängte er an den Nagel. „Für manche bin ich seitdem einfach ‚dar Buongustaio‘“, sagt der pensionierte Unternehmer lachend. Sein Erfolgsrezept? „Ich entscheide über meinen Gaumen und verkaufte auch über den Gaumen. Das heißt, meine Kundschaft durfte immer auch probieren.“ Wie zum Beweis kredenzt er schokolierte Haselnüsse zum stilechten Espresso. Ein Gedicht.
Die Begeisterung für die Natur entfachte wiederum sein Vater in ihm. Mit ihm unternahm er als Bub ausgedehnte Spaziergänge entlang des Rheins. 1978 gehörte Werner König zu den Gründungsmitgliedern des Ornithologischen Vereins „Die Drossel“. Inzwischen führt er als geprüfter Feldornithologe Exkursionen durch, vor sechs Jahren übernahm er zudem die Obmannschaft des Vereins. Genauso genießt er die Natur zu Hause, wo er gemeinsam mit seiner Frau Klara einen wildromantischen Naturgarten angelegt hat – Herzstück ein großer Brunnen, in dem Herr und Frau Vogel regelmäßig zum Bade vorbeischauen.
Nach dem Verkauf seines Geschäfts im Jahr 2016 blieb die Leidenschaft fürs Kulinarische. Italien trage er immer noch im Herzen, sagt Werner König. Davon zeugt unter anderem sein „Huslädili“ mit italienischen Spezialitäten, von dem die ganze Familie profitiert: „Jeden Freitag koche ich für die ganze Bande“, erzählt der zweifache Vater und fünffache Großvater. In die Gastgeber-Rolle schlüpfe er ohnehin gerne. Für Freunde, Bekannte und nicht zuletzt für seine Jasser-Runde, die seit rund 50 Jahren besteht. „Drum gibt’s bei uns auch so viele Tische“, meint er lachend.
Lieblingsplatz: Beringer-Hütte des Ornithologischen Vereins „Die Drossel“ im oberen Schweizer Ried - „Hier inmitten eines drei Hektar großen Biotops bin ich von Natur und Vögeln umringt. Einmal haben wir bei einem einzigen Aufenthalt 26 Vogelarten gehört und gesehen, 144 haben wir insgesamt schon gelistet und über die Jahre ca. 13.000 beringt.“