Innehalten und die Schönheit der Natur auf sich wirken lassen

LL38_Natur Alter Rhein@Lukas Hämmerle

Die Lustenauer Biologin Silke Villotti kennt Lustenaus schönste Plätze und deren Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt. Ihr Ratschlag: „Geht in die Natur, beobachtet sie und genießt ihre unglaubliche Vielfalt.“

LL38_Silke Vilotti@Lukas Hämmerle 2

Es ist früh am Morgen am Alten Rhein. Während Stockenten mit ihren Küken ruhig ihre Bahnen auf dem spiegelglatten Wasser ziehen, passieren die ersten Sportler schnellen Schrittes die Liegewiese. Der Naturpark Alter Rhein ist ein idealer Ort, um die Natur zu genießen, Vögel und Enten zu beobachten oder sportlich aktiv zu werden.

Für die Biologin Silke Villotti sind es vor allem die natürlichen Auwälder, die diesen Lustenauer Schatz so besonders machen. „Nach der Eiszeit war das gesamte Rheintal sumpfig und moorig. Durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft sowie Straßen- und Siedlungsbau wurden die feuchten Flächen im Laufe der letzten Jahrzehnte immer weiter zurückgedrängt“, erklärt sie, während ihr Blick über die malerische Landschaft schweift. Das Besondere an den Auwäldern: Sie sind ähnlich artenreich wie ein Regenwald und waren früher der grüne Dschungel Vorarlbergs.

Auwälder und Moore – Einzigartige Lebensräume

LL38_Bericht Natur_Wiesenbrüter@Lukas Hämmerle

Auwälder säumen Flüsse und Bäche und sind von regelmäßigen Überschwemmungen geprägt. Sie dienen als natürlicher Hochwasserschutz, reinigen das Wasser und bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten wertvollen Lebensraum. Im Naturpark Alter Rhein sind noch Reste dieser wertvollen Biotope erhalten geblieben. Besonders die Niedermoore, die sich als Streuwiesen zeigen, weisen im Vergleich zu intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen eine deutlich höhere Artenvielfalt auf: Schmetterlinge, Libellen, Käfer, Orchideen und zahlreiche Blütenpflanzen finden hier einen Lebensraum. Auch seltene Vögel finden auf solchen Wiesen reichlich Nahrung. Doch nicht nur für die Natur sind Moore und Auwälder von Bedeutung – auch für den Menschen spielen sie eine entscheidende Rolle. „Sie funktionieren wie ein Schwamm: In regenreichen Zeiten nehmen sie Wasser auf, speichern es und geben es bei Trockenheit langsam wieder ab.“ Moore sind in der Lage, ein Vielfaches an Kohlenstoff zu speichern und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Silke Villotti möchte das Bewusstsein für diesen Schatz vor unserer Haustür stärken. „Nur was man kennt und liebt, schützt man“, betont sie. Deshalb führt sie regelmäßig Schulklassen durch die Natur, um schon bei Kindern die Liebe und das Verständnis für die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu wecken.

 

Dem Alltag entfliehen

LL38_Silke Vilotti@Lukas Hämmerle 1

Lustenau bietet für alle Altersgruppen und Freizeitinteressen vielfältige Möglichkeiten – sei es beim Spaziergang, Joggen oder Radfahren. Ein besonderes Beispiel ist das neu gestaltete Hofsteigplätzle an der Hofsteigstraße, bei dem ein Abschnitt des Grindelkanals renaturiert wurde. „Das Fließgewässer verläuft jetzt nicht mehr kerzengerade, sondern hat Einbuchtungen und Schwemmhölzer. So finden viele Tiere einen passenden Lebensraum“, erklärt Silke Villotti. Bei ihren Führungen macht sie Kinder auf die Bedeutung solcher renaturierten Bereiche aufmerksam. Mit anschaulichen Beispielen bleibt das Wissen den Kindern lange im Gedächtnis. Am Hofsteigplätzle entdeckte Villotti sogar einen Wasserskorpion. „Was wie ein Stachel aussieht, ist in Wahrheit sein Atemrohr am Hinterleib, völlig ungefährlich für uns Menschen“, klärt sie auf. An solchen Orten kann man die Seele baumeln lassen, neue Kraft schöpfen und dem oft hektischen Alltag entkommen.

Rehe, Fasane, Kiebitze und Falken

LL38_Natur_Hase@Lukas Hämmerle

Wer durch das nördliche Schweizer Ried spaziert, sollte ein Fernglas mitnehmen – und unbedingt auf den Wegen bleiben, rät die Biologin. „Hier im Auer Ried leben Feldhasen, Rehe, Fasane, Kiebitze und einige besondere Vogelarten“, berichtet sie und zeigt auf die zahlreichen Kiebitze, die im Europaschutzgebiet beim „Zebra Feuchtbiotop“ nisten. Wichtig sei es, sich in der Natur an die geltenden Schutzbestimmungen zu halten: Auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, ruhig sein, Müll wieder mitnehmen und Hunde anleinen. „Wenn Hunde freilaufen und Vögel aufschrecken, verlassen diese ihr Nest, der Nachwuchs ist dann schutzlos“, warnt sie. Der Kiebitz wurde heuer in Österreich zum Vogel des Jahres gewählt; ein Drittel seines Brutvorkommens findet sich im Schweizer Ried in Lustenau. Silke Villotti ist es ein großes Anliegen, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für diese Naturschätze vor unserer Haustür zu schärfen, sie zu genießen, aber gleichzeitig auch zu schützen.