Was zählt, ist stets der nächste Takt
©Miro Kuzmanovic
Mit vier Jahren wollte Ria schweben. Seit Jahrzehnten tut sie genau das mit ihrem Franz auf internationalem Parkett. Die zweifachen Vizeweltmeister im Standardtanz Ü 70 verdanken Lustenau auch den Weg nach oben.
Die Anfänge
Als in der legendären Tanzbar „Linie 8“ einst die Musik einsetzte, begann mehr als eine Tanzkarriere. Hier trafen Ria und Franz Steinbichler erstmals aufeinander. Aus dieser Begegnung wurden Partnerschaft, Turniertanz, Familie und ein gemeinsamer Club: der TSC Blau-Gold Dornbirn-Lustenau-Koblach. Heute ist Ria dessen sportliche Leiterin. Tanz, sagt sie, sei Körpersprache im besten Sinn: eine Sprache, die ohne Worte auskommt, Herkunft und Alter hinter sich lässt und etwas Seltenes ermöglicht. Begegnung in Frieden: „So wie die Welt sich gerade zeigt, setzen wir mit dem Tanz ein positives Zeichen.“
Vom kleinsten Team der Welt
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Ria, (Jg. 1956) stammt aus der Steiermark, die ausgebildete Arbeits- und Sportlehrerin, kam nach dem Studium der Psychomotorik ins Land. Franz (Jg. 1949) aus Waidhofen an der Ybbs, hatte zunächst ein geistliches Leben im Kloster Seitenstetten im Auge, bevor er sich als Religionslehrer in Koblach ansiedelte. Was in Lustenau startete, wurde erfolgreich fortgesetzt. Seit 1976 sind beide Mitglieder beim Tanzclub, seit 1992 im Turniersport aktiv. Weit mehr als 500 Turniere, zehn Meistertitel, rund 100 Podestplätze, davon zweimal Vizeweltmeister und Award-Gewinner Ü 70 als beste Jahreswertung. „Mit ihm habe ich den Lottosechser gezogen“, sagt Ria über Franz, der jahrzehntelang Chorleiter war und dessen Musikalität sie als Fundament ihrer Tanzpartnerschaft beschreibt.
Als sportliche Leiterin im TSC Blau Gold hat Ria mit pädagogischem Know-how ein durchgehendes System aufgebaut: eine Pyramide von der Basis bis zu den Turnierpaaren, offen für alle. Franz ist Vizeobmann und war langjähriger Turnierwart. Rund 190 Mitglieder zählt der größte und erfolgreichste Tanzclub Vorarlbergs heute. Erfreulich ist auch der Nachwuchs: Im SPZ betreut Beirätin Oksana Fischer die Kindertanzklasse, die Blau-Gold Kids-Minis.
Was bleibt, wenn die Pokale verräumt sind?
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„Die Leidenschaft am Tanzen“, sagt Ria, „und die Energie in einem Raum mit Tanzenden.“ Franz formuliert es nüchterner: „Im Tanzen wirst du nie fertig. Der Körper ist keine Maschine“. Standardtanz verlangt Führung und Folgen. „Führung geschieht dadurch, dass der Mann sich selbst richtig tanzt“, erläutert Franz. Ria präzisiert: Sich führen zu lassen sei harte Arbeit. Es brauche Vertrauen und Aufmerksamkeit im „kleinsten Team der Welt“. Ria spürt oft schon am Muskeltonus, was als Nächstes geschieht. Die Frage ist stets, wie weit will ich gehen? Nicht einmal eine Hüftluxation konnte Ria aufhalten, intensives Training nach der gesundheitlichen Zwangspause führte zu neuen Höhenflügen und Auszeichnungen. Und immer wieder entsteht jenes Flowgefühl, das Ria seit ihrer Kindheit kennt: Die Schwerkraft hebt sich auf, die Welt verschwindet. Dann zählt nicht, was gewonnen wurde. Dann zählt nur der nächste Takt.
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