Platz wär‘ gnuag

LL38_Luftbild Zentrum@Lukas Hämmerle

Der Blick in leere Geschäfte wirft Fragen auf: was war denn da, wieso ist das jetzt weg? Was kommt da jetzt herein? Neben Fantasien und Wünschen von Bewohner: innen und Passant:innen gibt es auch konkrete Vorschläge und Konzepte von Fachleuten, wie Lustenau zu beleben wäre.

Ein Ladengeschäft zu betreiben, ist kein Spaziergang. War es nie, aber dieser Tage kommt der Botendienst und bringt uns Dank chinesischer, deutscher und amerikanischer Großhändler (Namen der Redaktion bekannt) jede Menge mehr oder weniger Nützliches frei Haus, Rücksendung gratis natürlich. Der Sinn für Qualität, Beratung, Dienstleistung, Service gehen dabei oftmals unter. Und das Menschliche, das Freundliche und Kompetente sind dem Preisvergleich und der Marktschreierei gewichen.

Dem möchte die Marktgemeinde nun sehr bestimmt entgegentreten. Im Zentrums-Ausschuss werden Fachleute auch aus anderen Gemeinden zu ihren „best practices“ befragt, Immobilienspezialisten versuchen Mieterinnen und Mieter für einen gelungenen Angebotsmix in gemeindeeigenen Realitäten zu finden. Ideen gibt es viele: Ein Bistro mit guten Weinen wäre schön, ein Blumenladen dringend nötig. Verantwortliche in der Gemeinde und Lustenau Marketing sind dran Begegnungsorte zu entwickeln, die dem Konsum von Waren und Speisen einen freundlichen Tritt verpassen und ein wenig gutes Lebensgefühl verschaffen sollen.

Bestandsaufnahme

LL38_Bernd Hagen,Andreas Hofer, Simone Bösch@Lukas Hämmerle

Ja, es gibt sie, die Leerstände. Doch neben eben diesen gibt es durchaus auch Positives aus der Marktgemeinde zu berichten. Ein spannendes und bereicherndes Projekt fürs Lustenauer Zentrum entwickelt Christoph Piringer: Ein Buschenschank für Lustenau in der Maria-Theresien-Straße. Ausführliches zum Projekt erfährt man ab Seite 54 im Magazin. Und weiteres tut sich in der belebten Straße. Prominent direkt neben dem Schreibwarenfachgeschäft „dar Zäodl“ hat die Optikerkette sehen!wutscher nun eine größere Filiale in Lustenau eröffnet. Ebenfalls in der Maria-Theresien-Straße eröffnet ein weiterer Optiker: das Sehatelier. In Kombination mit dem Höratelier wird hier der Immobilie des ehemaligen Olivengrün Leben eingehaucht. Weg von der Maria-Theresien-Straße hin zur Staldenstraße. Die Schließung vom Pinoccio Kinderparadies schmerzte sehr. Doch ein Leerstand konnte auch hier vermieden werden und im ehemaligen Geschäftslokal findet man bei Woolworth nun allerlei Praktisches und Nützliches. Was ist mit den anderen Leerständen?

Mit Auto, Fahrrad und zu Fuß

LL38_Bernd Hagen@Lukas Hämmerle

Ganz konkret dran mit der Suche nach geeigneten Mieterinnen und Mieter für Handel und Gewerbe sind die drei bekannten und bewährten Lustenauer Immobilien Büros. Im Interview sprudeln Simone Bösch, Bernd Hagen und Andreas Hofer nur so vor Ideen, wie man den Leerständen im Zentrum aus ihrer Sicht begegnen könnte. Da wäre einmal die Parksituation: Während eine Flaniermeile wünschenswert erscheint, ist es doch auch nötig, an auswärtige Besucherinnen und Besucher, ältere Leute und Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu denken. Schließlich befinden sich im Ortskern nicht nur Handel und Gastronomie, sondern auch medizinische Einrichtungen und Servicestellen. Natürlich auch das Rathaus und die Kirche samt Freidhof. „Ein wesentlicher positiver Impuls wäre aus meiner Sicht, das Parken stärker unter die Erde zu verlegen. Dadurch könnten oberirdische Flächen besser genutzt werden, etwa für Begrünung, Begegnungszonen, Gastgärten, attraktive Wege und öffentliche Aufenthaltsbereiche“, findet Simone Bösch von Domus Immobilien: „Aus meiner Sicht braucht es dafür vor allem Vertrauen und Planungssicherheit. Wenn

Eigentümerinnen und Eigentümer das Gefühl haben, dass Investitionen sinnvoll und berechenbar sind, steigt auch die Bereitschaft, Immobilien zu sanieren, zu vermieten oder neu zu entwickeln.“

Hier ist das Leben bunt

LL38_Simone Bösch, Andreas Hofer@Lukas Hämmerle

Bekannte, große Handelsketten und Frequenzbringer in den eher kleiner strukturierten Flächen zu etablieren, ist eine Herausforderung. Ein guter Mix aus Bekleidung, Schuhen, Lebensmitteln und Cafés wäre für Lustenau schon eher angemessen. „Ein lebendiger Ortskern entsteht nicht nur durch einzelne Gebäude, sondern durch gute Nutzungskonzepte, attraktive Erdgeschosszonen, kurze Wege und Aufenthaltsqualität“, formuliert Simone Bösch den Anspruch. Aber auch außerhalb des Zentrums gibt es attraktive Flächen für innovative Konzepte, findet Bernd Hagen vom gleichnamigen Immobilienbüro: „Man sollte aus den bestehenden Gegebenheiten eine Stärke machen. Lustenau verfügt über stark frequentierte Durchzugsstraßen und Verkehrsknotenpunkte, an denen täglich viele Menschen vorbeikommen. Diese potenzielle Kaufkraft bleibt derzeit weitgehend ungenutzt.“

Aus der Not eine Tugend machen

LL38_Andreas Hofer@Lukas Hämmerle

Ob Lustenau ein Standort für eine große Flaniermeile ist, stellt auch Andreas Hofer vom gleichnamigen Immobilienbüro aufgrund der langgezogenen und zersiedelten Struktur zur Debatte. Die Nähe zur Grenze bringt zum Beispiel viele Schweizer:innen nach Lustenau, die für mehr Auslastung und Umsatz sorgen können. „Überlegungen, wie man Durchzugsverkehr in Kaufkraft umwandeln kann, wären sinnvoll“, findet Andreas Hofer. „Wir haben diesen Verkehr aktuell im Ort. Wir können ihn bekämpfen oder versuchen, das Potenzial daraus auszuschöpfen.“

Der richtige Mix aus Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Gastronomie und Begegnungsorten ist allen drei Fachleuten ein großes Anliegen, und darin sind sie sich auch mit den Verantwortlichen in der Gemeinde einig. Über das Wie kann und wird man noch viel diskutieren müssen – oder wie es einer der Immobilienmakler ausgedrückt hat: 50 Jahre Entwicklung kann man nicht in kurzer Zeit verändern.

Gemeinsam das Zentrum beleben: Ein Impuls

Es stellt sich also die Frage, welche Nutzungen im Zentrum wünschenswert wären und was im täglichen Angebot tatsächlich fehlt und mutige Köpfe. Ganz nach dem Motto „Wer kennt wen, der wen kennt, der eine Idee hat?“. Sei es für ein neues Café oder ein spezielles Fachgeschäft, die Vernetzung von Potenzialen ist einer der nächsten Schritte in der Zentrumsentwicklung. Erste Anlaufstelle ist hier die Marketing- und Standortagentur der Marktgemeinde: Lustenau Marketing. Ideen, Vorschläge oder konkrete Konzepte können direkt an Geschäftsführerin Nathalie Heinisch, nathalie. heinisch@lustenau.at gemeldet werden, um gemeinsam an einem lebendigen Ortskern zu arbeiten, Interessierte zusammenzubringen und bei der praktischen Umsetzung neuer Konzepte unterstützend zur Seite zu stehen.