Mit dem Kunstwerk in Beziehung treten 4. Juli 2018

Zauner-Albrecht_2018_Marcel Hagen

Der in Lustenau lebende Künstler Albrecht Zauner ist vor allem für seine Skulpturen bekannt, die er für sakrale Orte oder den öffentlichen Raum geschaffen hat. Wie etwa seine Arbeiten in Hohenems – die Steinskulptur am Bahnhof und der „Windhauch“ vor einem Einkaufszentrum, der auf die Bregenzerwälder Juppe verweist. Außerdem kann er auf eine rege Ausstellungstätigkeit zurückblicken. Mit lebens.lust spricht er über Inspiration, die Faszination des menschlichen Körpers und die Kunst als Lebensmittel.

Bildhauer Albrecht Zauner im Gespräch

lebens.lust: Woher kommt die Inspiration für deine Werke?
Albrecht Zauner: Ideen kommen aus einem Pool von Gedanken und Gefühlen, die eben gerade relevant sind. Wenn ich ein Interesse für eine bestimmte Sache habe, dann zieht das die Bilder an. Das kann ganz schnell gehen. Der Rest ist dann Arbeit und die Suche nach der Form.

lebens.lust: Machst du zuerst ein Modell oder eine Zeichnung einer Skulptur oder legst du einfach los?
Albrecht Zauner: Sowohl als auch, meistens aber wird eine Idee mit dem Bleistift aufgezeichnet. Das ist die unmittelbarste und schnellste Möglichkeit, einen Gedanken festzuhalten. Deshalb haben Zeichnungen auch einen sehr persönlichen Charakter. Danach kommen Arbeiten in Ton, Gips, Bronze und Stein.

lebens.lust: Welche Materialien bevorzugst du?
Albrecht Zauner: Es gibt kein ausschließliches Material. Es sind die klassischen Bildhauer-Materialien, die ich alle brauche und zu denen ich eine besondere Beziehung entwickle. Der Gips ist ein wunderbares Material, mit dem man fast alles machen kann. Mit dem Bronzeguss wird die Gipsform dauerhaft und erhält die Energie dieser hohen Handwerkskunst. Schlussendlich ist da der vertraute Stein, bei dem mir das Herz schon am weitesten aufgeht.

lebens.lust: Du bist schon seit den 1980ern künstlerisch tätig. Wie hat sich dein Schaffen verändert?
Albrecht Zauner: Die Formen wurden im Laufe der Zeit geschlossener und dichter. Manchmal bekommt man Lust, gewohnte Pfade zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. In den letzten beiden Jahren sind realistische und auch konzeptuelle Arbeiten entstanden. Ich möchte da offen bleiben und auch Brüche zulassen.

lebens.lust: Welche Arbeiten liegen dir besonders am Herzen und warum?
Albrecht Zauner: Das sind Arbeiten, bei denen eine ganz persönliche Sprache sichtbar wird, beispielsweise Zeichnungen so ab 2010 und eine Skulpturenserie, die sich mit dem Thema Drehtanz beschäftigt.

lebens.lust: Der menschliche Körper scheint ein zentrales Thema in deinen Arbeiten zu sein. Wie erklärst du diese Faszination?
Albrecht Zauner: Da wir nun mal durch diesen Körper die Welt erfahren, uns durch ihn ausdrücken und durch kleinste Teile und Schwingungen mit allen anderen Körpern verbunden sind, ist das doch ein Thema von höchstem Interesse. Da kann man viel entdecken.

lebens.lust: Wann ist ein Kunstwerk deiner Meinung nach gelungen?
Albrecht Zauner: Wenn der Betrachter bzw. die Betrachterin in eine gute Beziehung mit ihm treten kann.

lebens.lust: Du machst auch Auftragswerke. Lässt sich von der Kunst leben?
Albrecht Zauner: Ja, weil es Menschen gibt, die verstehen, dass Kunst ein wichtiges Lebensmittel ist.